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Diana Gabaldon und der Outlander Effekt

Thistle Award: Der Oskar der schottischen Tourismusindustrie

Diana Gabaldon, Autorin der weltweit beliebten Highland Saga und Lord John Reihe, wurde nun mit dem Thistle Award für ihre Dienste für den schottischen Tourismus von Visit Scotland ausgezeichnet. Eine absolute Ehre für die aus Arizona stammende Autorin. Den Thistle Award hat sie sich mehr als nur verdient! Sehr treffend wurde sie auch mit Sir Walter Scott verglichen. Sie soll in unserer Zeit soviel für Schottland geleistet haben, wie er in der Vergangenheit. Eine größere Ehre gibt es wohl kaum!

Der Hype um die Highland Saga und die darauf basierende Outlander Serie ist so groß, dass Besucher mittlereweile aus der ganzen Welt und in Scharen nach Schottland pilgern. ‚Outlander‘ bringt Lesern und Zuschauern die Schönheit und Einzigartigkeit Schottlands näher. Zudem lernt man in den Büchern und in der Outlander-Serie sehr viel über die historischen Ereignisse der Jakobiten im 18. Jarhundert und die Folgen der wichtigen Schlacht bei Culloden in Schottlands Highlands.

Attraktionen, welche als Outlander Drehorte herhielten sowie Orte, die in den Büchern erwähnt werden, sind besonders von dem sogenannten “Outlander Effekt” betroffen. Allen voran liegt Doune Castle, welches als Castle Leoch – Sitz der MacKenzies – in der 1. Staffel Outlander diente. Besucherzahlen stiegen hier um mehr als 200% an. Dicht dahinter folgt Blackness Castle, das ‚Outlander Fort William‘ – ein Gefängnis, in dem James Fraser, der Protagonist in ‚Outlander‘, gnadenlos von einem englischen Soldaten ausgepeitscht wird. Auch Blackness Castle erlebte einen Besucheransturm von mehr als 180%. An dritter Stelle steht die Kathedrale in Glasgow, deren Krypta als Krankenhaus in Paris der 2. Staffel Outlander verwendet wurde. Stolze 66% im Besucheransturm kann die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche nun verbuchen. Und diese drei Sehenwürdigkeiten sind nur die Spitze des Eisbergs. Insgesamt kann Schottland durch diesen “Outlander Effekt” mittlerweile eine Tourismussteigerung von sage und schreibe 67% verbuchen!

 

Auch wir von Rob Roy Tours haben es uns zur Aufgabe gemacht, Outlander-Fans das ‘Outlander Schottland’ näher zu bringen. Auf einer 8-tägigen Schottlandrundreise besuchen wir die schönsten Outlander-Drehorte. Dabei dürfen Castle Leoch, das Outlander Fort William und L’Hôpital des Anges (Glasgow Cathedral) natürlich nicht fehlen. Darüber hinaus zeigt Ihnen unsere Outlander-Reiseleiterin viele weitere Drehorte wie Lallybroch und Jamies Druckerei sowie viele historische Orte, darunter das Culloden Schlachtfeld und prähistorische Steinkreise. Die Highlights unserer Outlander-inspirierten Reise finden Sie hier.

Publishing Scotland haben sich in Gemeinschaftsproduktion mit Visit Scotland und United Airlines zusammengetan, um einen exklusiven literarischen Abend mit Diana Gabaldon auf die Beine zu stellen und Outlander-Fans zu ermöglichen, daran teilzuhaben. Samstag Abend, den 15. März 2019, einen Tag nach ihrer Auszeichnung, fand dieses Event im Hopetoun House in Queensferry, Schottland, statt. Das Haus an sich ist schon eine atemberaubende Kullisse, doch damit nicht genug! Das Gespräch mit der Outlander-Autorin fand im sogenannten “Red Drawing Room” statt, welcher für die Outlander-Serie in der ersten Staffel als Heim des Dukes von Sandringham diente. Diana Gabaldons Event fand also in dem selben Raum statt, in dem sich auch schon die Helden der Geschichte befanden!

Das Event war aus Platzgründen auf ca. 70 Teilnehmer limitiert und daher wundert es nicht, dass es innerhalb von 2 Stunden ausverkauft war. Ich, Rob Roy Tours Outlander Tour Guide, war eine der Glücklichen, die ein Ticket dafür ergattern konnten und werde nun versuchen, euch mit meinem Bericht etwas daran teilhaben zu lassen.

Der Red Drawing Room im Hopetoun House ist meiner Meinung nach ein architektonisches Meisterwerk. Die Decke atemberaubend mit den Verzierungen, die Wände vollbehangen mit beeindruckenden Ölgemälden, wovon manche überlebensgroß sind. Stuhlreihen, zu beiden Seiten des Raumes, boten Platz für die Zuschauer. Vor einem imposanten Marmorkamin war ein Podest errichtet worden, worauf 2 Armsessel gestellt worden waren. Dazwischen stand ein kleines, altes Tischchen, auf dem stolz der Thistle Award von Diana Gabaldon präsentiert wurde. Gefertigt wurde dieser Award mit Papierkunsttechnik aus alten Gedichtsbänden von Robert Burns, wie uns Diana Gabaldon später selber mitteilte. Sie gab auch zu, dass es nicht so ganz in ihren Kopf ginge, wie viel Outlander in Wirklichkeit verändert und, dass sie es immer noch etwas überwältigend fände, wenn sie sieht, wie sehr die Menschen an der Outlander-Geschichte interessiert sind. Ihre Augen glänzten voller Stolz und man merkte, dass sie sehr bewegt darüber war.

 

Im Laufe des Abends erfuhren wir, wie Outlander “geboren” worden war. Diana Gabaldon, eine Honorarprofessorin, hatte sich eines Tages in den Kopf gesetzt, dass es keine schlechte Idee wäre, einen Roman zu schreiben. Nur so als Übung, versteht sich. Und Diana hatte nicht vor, aufzugeben, sie wollte ihre Geschichte zu Ende schreiben, ganz egal wie schlecht sie vielleicht auch werden würde. Zu dieser Zeit war sie Vollzeit als Professorin an einer Universität tätig und war auβerdem Vollzeitmutter für 3 Kinder – alle unter 6 Jahren. Doch sie fand, es war die perfekte Zeit, um sich auch noch Vollzeit dem Schreiben zu verpflichten. Erst wusste sie nicht, worüber sie schreiben wollte, doch eines Tages sah sie im Fernsehen eine alte Folge der Serie Dr. Who. Der Schauspieler Jamie McCrimmon spielte einen Schotten im Kilt, namens Frazer Hines. Der Anblick hatte Diana so beeindruckt, dass sie beschloss, über einen Mann im Kilt zu schreiben – demnach über einen Schotten. Sie entschied sich, dass ihre Geschichte im 18. Jahrhundert spielen sollte. Doch mehr wusste sie zu dem Zeitpunkt selber noch nicht. Und auch über Schottland an sich wusste sie nichts, denn sie war bis dato noch nie in dem Land gewesen, in dem nun ihr “Übungsbuch” spielen sollte. Sie musste sich also erst Wissen über Schottland aneignen. Zu jener Zeit gab es wohlbemerkt noch kein Internet, kein Google oder Wikipedia und keine digitalen Aufzeichnungen. Sie wusste, Konflikte machten sich immer gut in Büchern, also recherchierte sie nach Konflikten in Schottland im 18. Jahrhundert. Sofort kam sie auf Bonnie Prince Charlie und die Jakobiten und hatte somit einen Plot für ihr Buch. Doch zusätzlich zum Konflikt fehlte definitiv eine weibliche Person – am besten Engländerin, denn dann würde es auf jeden Fall Zwistigkeiten geben. Doch sobald Claire auf der Bildfläche erschien – oder in dem Fall auf der Seite ihres Buches – wollte der sture Charakter nicht so, wie die Autorin es vor hatte. In Verzweiflung schimpfte sie oft, “Ja, schreibst du nun das Buch, oder ich?” Doch sofort war Diana Gabaldon klar gewesen, dass diese Frau mit ihren besserwisserischen Kommentaren ganz eindeutig nicht aus dem 18. Jahrhundert stammte. Diana Gabaldon brauchte einige Zeit, um herauszufinden, wer Claire war und woher sie kam. Doch sie offenbarte sich in kleinen Schritten ihrer Schöpferin und sobald sie miteinander gut klar kamen, gab es kein Halten mehr.

Schon bald war klar, was Diana Gabaldon hier erschuf, war deutlich mehr als nur eine Schreibübung!
Wenn sie beim Schreiben einmal nicht weiter wusste, dann widmetet sie sich der Recherche oder schrieb an einem Artikel für die Arbeit, bevor sie wieder zurück zu ihrem Buch kehrte. Zudem schrieb sie Comic-Bücher und –Romane (Graphik Novells). Auf die Frage, ob denn das ausführliche recherchieren nicht sehr anstrengend gewesen war, reagierte Diana Gabaldon nur mit einem lauten Lachen. “Aber nein”, meinte die mittlerweile 67 jährige, “Recherchieren macht doch großen Spaß!”. Sie erzählte auβerdem, dass sich Autoren von Zeitreisegeschichten natürlich über diverse Paradoxons bewusst sein müssen und von vornherein beschließen müssen, wie sie die Geschichte schreiben wollen und dann daran festhalten. Zb. ob der Zeitreisende die Geschichte verändern kann oder nicht.

Kurz nach der Veröffentlichung des ersten Buches der Outlander-Reihe mit dem deutschen Titel ‚Feuer und Stein‘ (in Amerika unter ‚Outlander‘ und in Groβbritannien unter ‚Cross Stitch‘) war Holywood an sie herangetreten, um ihr Buch zu verfilmen. Diana Gabaldon bekam gleich mehrere Angebote! Allerdings konnte die Autorin sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie ihr Buch als 2 Stunden Film umgesetzt werden könnte, zumal sie auch bei Weitem nicht mit den Skripten zufrieden war. Sie erzählte, dass ein Produzent die Geschichte in einer Art Robin Hood Style umsetzen wollte: Jamie und Claire in einem Turmzimmer, Soldaten stürmen die Treppe hoch und im letzten Moment stürzen sich die beiden aus dem Turmfenster – wo zufälligerweise ein Eimer an einem Seil hängt, wo sich beide abenteuerlich daran hinunterlassen können. Sie lachte laut auf, als sie davon erzählte und schüttelte angewidert den Kopf. Auch andere Vorschläge waren nicht viel besser gewesen und wurden von ihr kategorisch abgelehnt.

Erst viele Jahre später stimme Diana Gabaldon der Verfilmung von ‚Outlander‘ zu, als Ronald D. Moore ihr vorschlug, eine Serie aus ihren Büchern zu produzieren. Auf die Frage, ob es für sie schwer gewesen sei, nun ihre Protagonisten mehr oder weniger abzugeben und zu sehen, was die Produzenten jetzt mit ihnen machen, antwortete sie nickend, dass es natürlich eigenartig sei, aber dass sie sehr zufrieden sei, wie es ist. Manche Dinge, die geändert wurden, findet sie sogar so gut, dass es ihr leid tut, nicht selber darauf gekommen zu sein! Diana Gabaldon schrieb für eine der Outlander-Episoden sogar ein Skript, musste sich dann jedoch damit auseinandersetzen, dass in der Filmbranche jeder andere mitmischt – vom Produzenten bis hin zu den Schauspielern! Auβerdem musste sie feststellen, dass das geschriebene Wort nicht so leicht auf die Leinwand zu projizieren war, wie man es sich vielleicht vorstellt. Erhebliche Probleme entstehen z.B. durch das Tageslicht. Im Herbst/Winter hat man in Schottland z.B. von frühestens 8.00 Uhr bis spätestens 15.30 Uhr ausreichendes Licht zum Filmen. Die Location konnte man beispielsweise auch nur für 1 Tag buchen, aber man hat insgesamt 7 Szenen, die man umsetzen möchte. Zeitlich sind jedoch maximal 4 Szenen realistisch und deshalb muss man oftmals kürzen. Somit wurde sie lieber zum Consultant der Show und hat nun das Recht, alles vorher zu lesen und notfalls Einspruch zu erheben, wenn sie mit etwas nicht zufrieden ist.

Weitere Outlander-Drehorte

 

Darüber hinaus verriet Diana Gabaldon uns, dass die Schauspieler Sam Heughan und Caitriona Balfe, welche Jamie Fraser und Claire Randall/Fraser verkörpern, für 7 Jahre verpflichtet wurden – demnach bis einschlieβlich Outlander Staffel 7. Doch dann müsste man den Vertrag erneuern und es steht den Outlander-Schauspielern frei, zu gehen und die Rollen müssten neu besetzt werden. Schock, schwere Not! Zum Glück ist es bis dahin noch eine Weile und wir hoffen, dass uns die beiden auch später noch erhalten bleiben, sofern wir das Glück haben, dass die Serie so lange fortgesetzt wird. Wünschen würden wir es uns, glaube ich, alle!

Stolz berichtete Diana Gabaldon auch über ihren Gastauftritt als Fiona beim Gathering der MacKenzies in der Serie. Leider durfte sie ihr tolles Kleid nicht behalten, fügte sie traurig hinzu. Es sei auch schrecklich heiß gewesen, dort am Balkon. So heiß, dass eine Dame hinter ihr in Ohnmacht fiel. Diana Gabaldon wird auβerdem gefragt, wo sie denn gewesen sei, als sie die erste Folge zum ersten Mal anschaute. Sie weiβ das noch genau! Sie war auf der San Diego Comic Con, wo die erste Folge als Special ausgestrahlt wurde. Sie erinnere sich auch noch an den Moment, als ihr Ronald D Moore die ersten Szenen auf seinem Laptop gezeigt habe. Er habe vor Stolz, es ihr präsentieren zu können, fast geweint, berichtete die Autorin.

Nun, da Murtagh in der Serie überlebte, täte es ihr denn leid, dass sie ihn in den Büchern hat sterben lassen, möchte jemand aus dem Publikum wissen. „Nein“, antwortete Diana Gabaldon, „denn sein Tod war wichtig. Nur so konnte man den Schmerz des Krieges deutlich fühlen. Er war ein Kriegsopfer.“ Auf die Frage, wie viel man auf die Meinung der Editor geben sollte, meinte Diana: „Das kommt ganz auf den Editor drauf an und wie stark man hinter dem steht, was bekrittelt wird. Ich selbst bin für Anregungen immer offen, doch wenn ich davon überzeugt bin, dass etwas wichtig für meine Geschichte ist, würde sie es nicht ändern.“

Dann erzählte sie etwas Faszinierendes: Für die Veröffentlichung ihres Buches Dragonfly in Amber (dt. Titel: ‚Die geliehene Zeit‘) seien ihr 20.000 Dollar angeboten worden, unter der Vorraussetzung, es umzuschreiben, eine Romanze daraus zu machen. Auβerdem habe man ihr nahegelegt, sie solle mindestens 300 Seiten kürzen und diesen langweiligen Fergus rausschneiden, für den würde sich niemand interessieren. Diana Gabaldon lehnte ab. Daraufhin wurden ihr nur 8.000 Dollar geboten. Zudem wurde darauf bestanden, dass ein Aufkleber auf jede Ausgabe des Buches geklebt werde mit dem Angebot sein Geld zurückzubekommen, wenn man es denn zu schlecht fände, da man vielleicht eine Romanze erwartet habe. Das was damals für die Outlander-Autorin sicher nicht lustig war, bringt sie heute zum Lachen und das gesamte Publikum lachte mit. Fergus uninteressant? Geld-zurück-Garantie auf ihre Bücher? Kaum vorstellbar!

Von Diana Gabaldons Outlander-Büchern wurden mittlerweile die ersten vier Bände verfilmt. Sie schreibt momentan an Buch Nr. 9 (‚Go tell the bees that I am gone‘; dt.: ‚Berichtet den Bienen, ich bin fort‘) von insgesamt 10 geplanten Bänden. Ob sie denn Angst davor habe, es könnte das eintreten, was bei Game of Thrones passiert ist, nämlich, dass der Autor nicht schnell genug schreiben kann und die Serie trotzdem weiter läuft? “Die holen mich niemals ein!” verkündet sie selbstbewusst und lacht dabei laut auf. Diana Gabaldon verriet am literarischen Abend, was wir alle brennend wissen wollen: Wie sieht es mit der Veröffentlichung des 9. Outlander-Buches aus? Sie habe es noch nicht zu Ende geschrieben, gab die Outlander-Schriftstellerin zu. Doch sie schreibe 12-14 Stunden am Tag daran – sofern sie nicht zu irgendwelchen Veranstaltungen zitiert wird, fügt sie zwinkernd hinzu. Sie gehe davon aus, dass das Buch voraussichtlich gegen Ende des Jahres in den Regalen stehen wird. Sie verriet uns auch, wie sie ihre Bücher schreibt. Nämlich nicht vom Beginn bis zum Schluss, sondern szenenweise, welche sie später miteinander verbindet. Noch habe sie auch keine Ahnung, was sie in Buch 10 schreiben wird. Nur eines ist wohl schon klar: Es wird um 1800 enden und ein Happy End geben!

Sehe sie beim Schreiben nun die Schauspieler der Outlander-Serie vor sich, wird die Outlander-Autorin gefragt, doch sie schüttelt lächelnd den Kopf. “Nein, in meinem Kopf werden es immer MEINE Jamie und Claire bleiben.”

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