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Review zur 4. Staffel Outlander/ Folge 2

Lisa, Outlander-Tour Reiseleiterin

“Do no Harm”

Ich kann den Titel der zweiten Folge, 4. Staffel Outlander, nicht ganz unterschreiben, denn sie zeugt eigentlich nur von Gewalt und Schrecken. Mit einem furchtbaren Ende der letzten Folge geht es bedrückend weiter.

Jamie und Claire sitzen auf einem Boot und machen sich Vorwürfe. Einerseits wegen Lesleys Tod, andererseits, weil sie Stephen Bonnet geholfen hatten. Sie erreichen River Run, das Estate von Jamies Tante Jocasta – ein Herrenhaus, bei dessen Anblick Jamie und Claire erst einmal die Münder offen stehen bleiben! Durch den Überfall haben sie nichts mehr als die Kleider, die sie am Leibe tragen. Sie hoffen nun also auf die Hilfe von Jamies Tante, schämen sich jedoch mittellos auf ihrer Türschwelle aufzutauchen, wie Bettler, die um Almosen bitten.

Tante Jocasta, die von Maria Doyle Kennedy gespielt wird, erscheint erstmals auf der Bildfläche, geleitet von ihrem Sklaven Ulysses. Sie spielt genauso überzeugend, wie ich es von ihr erwartet hatte. Sie kommt Jamie und Claire am Steg entgegen, wo das Boot angelegt hat, und heißt sie herzlichst willkommen. Es fließen Willkommenstränen und man erfährt, dass Tante Jocasta beinah blind ist und außer Schatten nichts erkennen kann.

Tante Jocasta ist schockiert, als sie erfährt, was ihnen auf der Bootsfahrt widerfahren ist. Sie bietet ihnen an, sie alle aufzunehmen, denn dazu sei Familie schließlich da. Jocasta gesteht Jamie, dass sie trotz ihrer Blindheit immer ein Auge auf ihn gehabt hatte, um zu sehen, ob es ihm wohl erginge. Als Ian mit Rollo das Haus betritt, müssen sich alle beinahe wegen des Geruchs übergeben, der mit den beiden ins Haus weht. Ian erzählt, dass Rollo einen eigenartigen Dachs mit weißen Streifen am Rücken gejagt hatte. Dieses Tier habe dann eine Flüssigkeit aus seinem Hinterteil versprüht , was die Ursache für den Gestank sei.

Das Zimmer, welches Tante Jocasta Jamie und Claire bereitstellt, ist wunderschön. Keine Mühen zum Detail wurden gescheut, um es prunkvoll und mit Verschnörkelungen auf Tapete und Prokat erscheinen zu lassen. Das war für mich ein Wow Effekt, muss ich gestehen. Ich glaube, ich ziehe auch nach River Run. Doch am Estate gibt es – sehr zu Claires Trauer – etliche Sklaven. Jamie, der ihren Kummer sieht, erinnert sie, dass laut ihrer eigenen Aussagen, sich in der Zukunft  alles ändern wird.

Ian und Rollo müssen gesäubert werden, bevor alle vom Gestank sterben. So lernt Ian nicht nur, dass Essig gegen Stinktiergeruch hilft, sondern auch einiges über die Frauen der Indianer, so wie die Native Americans damals genannt wurden. Ian ist sehr interessiert daran und man bemerkt, dass er sehr mit den Einheimischen sympatisiert.

Tante Jocasta erzählt Jamie über River Run und von ihrer Sägemühle. Jamie möchte erfahren, wieviele Sklaven es denn auf dem Anwesen gäbe. Er erfährt, dass es beinahe 150 sind! Jocaste ist auch stolz darauf, dass sie den Sklaven ein gutes Leben bietet, darauf achtet, dass Familien zusammenbleiben können und sie sagt sogar, dass sie einige der Sklaven eher als Freunde denn als Leibeigene ansieht. Woraufhin Jamie einwendet, ob es wohl die Arbeiter genauso sehen? Auch Claire ist trotz Jocastas Zusicherungen nicht glücklich über die Situation, dass Sklaven am Anwesen gehalten werden. Lieutenant Wolff, ein Bekannter Jocastas, taucht auf und unterbreitet ihr einen Geschäftsvorschlag, welcher den Anbau von Weizen am Fluss beinhält. Jamie rät davon ab, mit der Begründung, dass Weizen in dem Klima und am Fluss nicht gedeihen würde. Er schlägt aber vor, dass Reis die bessere Lösung wäre. Lieutenant Wolff zieht beleidigt von dannen und Jamie scheint sich keinen Freund gemacht zu haben.

Claire bekommt von Tante Jocasta ein neues, sehr schönes Kleid. Nachdem Jocasta erkennt, dass sie ja gar nicht weiß, wie Claire aussieht, beschreibt es ihr die Sklavin Phaedra. Jocasta will dannach von Claire wissen, wie sie denn River Run findet und was ihr am besten hier gefällt. Claire, die nicht unhöfflich sein möchte, bestätigt, dass sie das Anwesen sehr schön findet, doch kann sie in ihrer Stimme nicht verbergen, dass ihr etwas am Herzen liegt. Tante Jocasta kann zwar nicht sehen, aber hört dafür umso besser und deswegen muss Claire nun wohl oder übel Farbe bekennen und gestehen, dass sie Sklaverei nicht gut heißt. Jocasta ist erstaunt darüber, aber keineswegs böse. Wissend lächelnd erklärt sie Claire, dass sie über ihre eigenartigen Anschauungen schon von Jenny gewarnt worden wäre.

In der nächsten Szene herrscht reges Treiben. Man hört Musik, die irgendwie stark an die Bälle in Frankreich erinnert und auch Jocastas Wohlstand und Einfluss wird hier noch deutlicher. Diese Feier soll zwar eigentlich zur Begrüßung von Jamie und Claire dienen, aber dass Jocasta ihren besten Wein ausschenkt, lässt erkennen, dass es dabei um noch viel mehr geht. Ian macht sich etwas unbeliebt bei einigen Gästen, als er während eines Gespräches von sich gibt, dass ja die Stämme der Nativ-Amerikaner zuerst in diesem Land gewesen wären, es also eigentlich ihr Land sei. Natürlich stößt das auf wenig Anklang, genauso wenig, wie die Neuigkeit, die Jocasta zu berichten hat. Sie setzt Jamie öffentlich mit sofortiger Wirkung als ihren Alleinerben und Herr über River Run ein und übergibt ihm somit das Anwesen.

Jamie ist hiervon jedoch weniger begeistert und gesteht Claire, dass er davon überzeugt ist, seine Tante habe aus Berechnung die Verkündung vor allen Anwesenden auf der Feier gemacht. Claire ihrerseits ist auch wenig angetan von der Vorstellung Herrin über ein Anwesen zu sein, welches Sklaven hält. Jamie hat die Idee, dass man als Verwalter von River Run ja vielleicht den Leibeigenen helfen und eine Zündschnur der Ereignisse entfachen könnte, woraufhin Claire ihn warnt, dass am Ende jeder Zündschnur eine Explosion zu erwarten ist.

Jamie und Tante Jocasta besprechen Formalitäten. Farquard Campbell erhofft sich, die Geschäfte mit Jamie genauso weiterzuführen, wie mit Jocasta, doch Jamie hat eigene Vorstellungen und Bedingungen. Er eröffnet einer sprachlosen Tante Jocasta und einem erboßten Campbell, dass er vor hat, die Sklaven freizulassen. Auf die entrüstete Frage, wer denn dann all die Arbeit am Anwesen machen solle, hatte Jamie die passende Antwort parat: Die jetzigen Sklaven – aber zu einem angemessenen Lohn. So nobel Jamies Idee auch sei, erklärt ihm Campbell, der sowieso wenig davon angetan ist, dass es nicht umsetzbar ist. Sklaven dürften nur freigelassen werden, wenn sie zb jemandem das Leben retten und selbst dann würde es 100 Pfund je Kopf kosten, also an die 1500 Pfund insgesamt. Außerdem würde er das Leben aller anderen Plantagenbesitzer um einiges schwerer machen und die Sklaven sowie alle Bewohner River Runs damit in Gefahr bringen, denn schon einige hatten vor ihm diese noble Idee, doch sie alle verschwanden unter mysteriösen Umständen.

Jamie und Claire besprechen, was man nun tun könnte, als sie von Tante Jocasta unterbrochen werden. Sie bittet Jamie nach dem Rechten zu sehen, es sei wohl ein Disput ausgebrochen, wo es einen Verletzten gegeben hätte. Um der Sache noch weiteren Nachdruck zu geben, sagt sie Jamie, er solle zu seinem Schutz auf jeden Fall eine Pistole mitnehmen.

Als sie am Ort des Geschehens eintreffen, sehen sie einen blutenden Aufseher, dem einer der Sklaven anscheinend das Ohr abgeschnitten hatte. Eine Tat, die dem Unglückseligen den Tod am Haken einbringen sollte. Das Metallteil war schon durch seinen Körper getrieben worden und der sich vor Schmerzen krümmende, schreiende Mann wurde nun an einem Seil hochgezogen. Dort sollte er baumeln, bis er verendete. Claire und Jamie waren schockiert und konnten das nicht zulassen. Sie beschließen den Sklaven zu retten.

Sie bringen den Schwerverletzten nach River Run, wo Claire versucht, ihm medizinische Hilfe zu bieten. Wir sehen Claire arbeiten mit der Präzesion und dem Wissen einer begnadeten Ärztin, wie wir es von ihr gewohnt sind. Jocasta wird von Ulysses hereingeführt und will wissen, was vor sich geht. Ulysses berichtet ihr, dass Claire im Begriff ist, den Sklaven Rufus zu retten, was Jocasta zutiefst schockiert, denn sie weiß, welche Konsequenzen diese Tat für sie alle haben könnte.
Schon treffen Campbell und Wolff ein, um sie zu warnen und hierbei auch Jamies Fähigkeiten, das Estate zu führen, zu untergraben. Jocasta Cameron erbittet sich etwas Zeit, um die Sache wieder ins reine zu bringen und erinnert sie daran, dass Jamie noch nicht mit ihren Gesetzen vertraut sei.

Rufus erwacht und es sieht ganz so aus, als hätte Claire tatsächlich sein Leben retten können. Er will wissen, wo er sich befände und als er erfährt, wo er ist, meint er, dass er nicht hier sein sollte. Er will von Claire den Grund wissen, weswegen sie ihm geholfen hätte. Sie hätte ihn besser sterben lassen sollen, da er einen Weißen verletzt hat und laut Gesetz darauf der Tod steht. Claire fragt Rufus, ob er Familie hätte und erfährt, dass er und seine Schwester als Kinder entführt worden waren, als sie gespielt hatten. Ian kommen bei dieser Erzählung fast die Tränen. John Bell spielt die Rolle des jungen Ian auch wirklich fantastisch gut, meiner Meinung nach.
Claire bittet Ian, Rufus in ihre Kammer zu bringen, damit er es dort bequemer hat. Ulysses wartet auf Claire und gesteht ihr, dass er auf sie ein Auge haben soll. Er verrät ihr außerdem, dass es Rufus nun sehr viel schlechter ergehen wird, denn sobald ihn die Aufseher in die Finger bekommen, wird er gevierteilt oder anders zu Tode gefoltert werden. Ebenso wird es Konsequenzen für alle anderen Sklaven haben und sie wären alle besser dran gewesen, hätte Claire nicht versucht zu helfen.

Auch Tante Jocasta ist verzweifelt und selbst Jamie und Claire scheinen zu erkennen, dass gute Vorsätze nicht immer positive Auswirkungen nach sich ziehen. Jamie teilt Claire mit, dass Rufus hingerichtet werden soll. In ihrer Not schlägt Claire vor, dass man sagen könne, er wäre entkommen. Aber Jamie informiert sie, dass dann auch alle anderen Sklaven den Preis dafür zu zahlen hätten.
Kaum ausgesprochen, trifft auch schon eine nach Blut lechzende Horde am Anwesen ein mit Fackeln und eindeutig keinen guten Absichten. Sie drohen River Run zu Asche niederzubrennen, wenn ihnen Rufus nicht ausgeliefert wird.

Es scheint keinen Ausweg zu geben. Die Lage scheint absolut hoffnungslos. Daher versucht Jamie Claire zu überzeugen, dass sie Rufus’ Tod selber herbeiführen solle, anstelle ihn zu Tode foltern zu lassen, denn das war die einzige Lösung, um das Anwesen und alle die darauf lebten, zu retten. Währenddessen versuchte Jocasta die aufgebrachte Meute zu beschwichtigen, sich Zeit zu verschaffen und zu versichern, dass sie Rufus bekommen werden.

Claire macht einen Tee für Rufus, der ihm beim “einschlafen” helfen soll. Rufus, der genau zu wissen scheint, was sie tut, trinkt das Gebräu voller Dankbarkeit. Claire hält seine Hand und versucht ihm, mit sanften Worten das Sterben zu erleichtern.
Achtung Taschentuchalarm! Wer nah am Wasser gebaut ist, der heult sich spätestens hier die Augen aus.

Die Uhr schlägt Mitternacht und die Frist ist vorüber. Rufus muss nun ausgeliefert werden oder das Anwesen samt allen darin wird zu Schutt und Asche. Jamie spricht ein Gebet und trägt den leblosen Körper hinaus, um ihn an die Meute zu übergeben. Die Männer scheinen viel zu aufgebracht um zu erkennen, dass der Sklave bereits tot ist und hängen ihn trotzdem auf. Eine Szene, die einem Gänsehaut und Schauer über den Körper fahren lässt.

Die gesamte Folge ist, meiner Meinung nach, von Anfang bis Ende sehr beklemmend und depremierend und zeigt gnadenlos die Ungerechtigkeit der damaligen Zeit der Sklaverei und die Hilflosigkeit jener wenigen, die helfen wollten, doch deren Hände gebunden waren. Dies wurde von allen Beteiligten absolut glaubwürdig und schauspielerisch brilliant umgesetzt.

Do No Harm, Outlander Staffel 4, Folge 2

Die 4. Staffel Outlander spielt überwiegend in South Carolina, Amerika, und dennoch fanden die Dreharbeiten in Schottland statt – was eine große Herausforderung für die Film-Crew darstellte. Auch diese Folge, die bei River Run in South Carolina spielt, wurde in Schottland gedreht. Um die Plantagen bei River Run genau der Zeitperiode, in der diese Folge spielt, anzupassen, wurde sehr genau recherchiert. Die Inspiration für River Run war Fayetteville in Amerika. Es wurde lange nach dem perfekten Ort in Schottland gesucht, bis sie ein Anwesen fanden, dass Gary Steele’s* Vorstellungen entsprach: ein Ort mit einer großen Grasfläche, einem Teich ringsum das Anwesen sowie die perfekte, kleine Halbinsel, auf der River Run dann gebaut wurde – und zwar auf einem Estate in der Nähe von Crieff. Es wurde außerdem eine Straße sowie der große Eingang dorthin gebaut. Anschließend wurde dann die Blaufassade eingebunden. Um den Umfang von Jacostas Haus überhaupt darstellen zu können, mussten natürlich auch visuelle Effekte herhalten. Vieles in der Folge sind visuelle Effekte, jedoch gibt es diesen wunderschönen Ort wirklich.

*Gary Steele ist der Produktionsdesigner.

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