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UP HELLY AA – Winkingereinfluss auf den Shetlandinseln

Das Up Helly Aa Festival

29. Januar

Im 8. Jahrhundert überfielen Wikinger Schottland, England und Irland. Im 9. Jahrhundert begannen sie sich dort auch anzusiedeln. Es ist nun bereits über 1000 Jahre her, doch ihren Einfluss spürt man auch heute noch, besonders auf den Orkneys und Shetland Inseln.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein Wikingerschiff liegt vor Anker am Hafen. Eine lange Prozession von Fakelträgern marschieren von der Stadt bis zum Hafen – was alleine schon ein atemberaubender Anblick ist. Doch noch nicht genug. Die Fakeln werden eine nach der anderen auf das Schiff geworfen, welches in einem Meer von Flammen aufgeht. Anschlieβend ziehen die Fakelträger in Gruppen von einem Veranstaltungsort zum nächsten (hierbei kann es sich um eine Schule, ein Pub, Konzerthalle etc handeln), um dort etwas darzubieten (Gesangseinlage, Tanz, Comedy..).

 

So wird alljährlich am letzten Dienstag im Januar auf den Shetland InselnUp Helly Aa” zelebriert, eine Tradition, die auf den Wikinger Einfluss auf den Inseln zurückführt. „Up Helly Aa” leitet sich vom Wort „Upholiday”ab. Dies bedeudet in Scots „der 12. Weihnachtstag”.
Up bedeutet hierbei, dass etwas zu Ende ist. Das Wort “uppi” wird im nordischen Wortschatz heute noch benutzt, besonders in Island und auf den Faroe Inseln.
Helly kommt von heilig, Feiertag. Wahrscheinlich leitet es sich vom nordischen “helgr” ab, was Fest bedeutet.
Aa leitet sich am ehesten vom Wort “a’ ” ab, was All/alles bedeutet.
Demnach kann man „Up Helly Aa“ mit „das Ende einer längeren heiligen Festzeit“ übersetzen. Da Up Helly Aa aus den Yule Prozessionen zu Weihnachten und Neujahr entstanden ist, sehr passend.

Abgeleitet wurde die Tradition, die mit dem Event „Up Helly Aa“ gefeiert wird, von der ursprünglichen Sitte, brennende Teerfässer hinter sich her durch die Straßen zu siehen, wobei junge Männer Unfug anstellten. Doch wegen Maβnahmen zur Sicherheit der Bevölkerung wurde diese Tradition aufgelassen. 1876 fand dann die erste Yule Fakel Prozession zur Weihnachtszeit statt, die dann 1881 zu Up Helly Aa wurde. In diesem Jahr war die Prozession zu Ehren des Besuches von Alfred, Duke von Edinburgh. 8 Jahre später wurde das erste Wikingerschiff in Brand gesetzt. Dies scheint auch eine viel bessere Variante als Teerfässer zu sein und ist noch mehr mit den Wurzeln der Wikinger verbunden.

Wie so viele andere Traditionen und Bräuche auch, stammt Up Helly Aa aus der Not heraus, junge Leute davon abzuhalten, dumme Streiche zu spielen, anderen zu schaden und sich sinnlos zu betrinken. So ist zum Beispiel die „Total Abstinence Society” für die Entstehung des Festes in Lerwick verantwortlich, wo es auch heutezutage noch alljährlich zelebriert wird. In vielen anderen Orten findet ebenfalls der Brauch starken Anklang. Momentan wird Up Helly Aa auf den Shetland Inseln in 10 Orten gefeiert: Lerwick, Nesting und Girlsta, Uyeasound, Northmavine, Bressay, Scalloway, Cullivoe, Norwick, das South Mainland und Delting.

Procession at Uyeasound Up Helly Aa - geograph.org.uk - 1706007

Prozession Up Helly Aa © Mike Pennington

 

Wer dieses Spektakel einmal live miterleben möchte, muss den Besuch allerdings schon lange im Voraus planen. Mittlerweile ist Up Helly Aa so beliebt, dass vor allem Unterkünfte schon viele Monate vor dem Event ausgebucht sind. Jedoch kann man auch zu anderen Jahreszeiten Wikinger Traditionen und Artefakte entdecken. Auf unserer Northern Highlights-Wanderreise besuchen wir die interessantesten Sehenswürdigkeiten und Orte, die uns an die Winkingerzeit sowie an die Zeit der Pikten erinnern. Wir besuchen auf dieser Rundreise die Shetland und die Orkney Inseln – eine Wanderung zu den Wikingern. Beinah fühlt es sich an, als würden wir uns auf eine Zeitreise begeben. Sobald wir das Festland verlassen, verändern sich nicht nur die Landschaften, sondern auch die Menschen. Plötzlich hören wir einen anderen Akzent, der uns stark an skandinavische Sprachen erinnert. Vielleicht treffen wir sogar auf Inselbewohner, die sich auch heute noch mehr mit den Winkingern identifizieren als mit dem schottischen Volk…

 

Harald Schönhaar I soll es zuzuschreiben sein, dass die Wikinger vom Norden auf andere Inseln auswanderten (Harald I war der Gründer des Norwegischen Könighauses). Der norwegische Einfluss ist besonders auf den Orkneys zu spüren, die noch bis 1468 Teil von Norwegen waren. Dies spiegelt sich noch heute in der Kultur, der Sprache und der Lebensweise wider.
Harald I segelte zu den Orkneys, um die Wikinger die dort lebten, zur Rede zu stellen, denn sie überfielen auch gerne mal Norwegen. Es war zu genau dieser Zeit, dass die Grafschaft Orkney erst gegründet wurde und dem Jarl Rognvald von More als Entschädigung für den Tot seines Sohnes zugesprochen wurde. Rognvald übergab die Grafschaft jedoch an seinen Bruder Sigurg den Mächtigen, dessen Nachfolger Turf Einarr wurde, der Uneheliche Sohn Rognvalds. Er verbesserte die Lebensbedingungen auf den Inseln und war der Erste, der aus der Gegend von Moray Firth Torf impotierte und die Torfgewinnung ankurbelte. Dies ermöglichte erst eine größere Besiedlung. Die Orkneys wurden innerhalb der nächsten Generationen zur Grafschaft der Nordmänner, die ebenso andere Inseln wie die Shetlands und die Hebriden kontrollierten. Ihre Sprache löste die Sprache der Pikten ab und auch die Namensgebung der Orte änderte sich.

Die Friedens- sowie Genozidtheorie stehen sich gegenüber. Anna Ritchie schloss aus diversen Funden auf ein friedliches Nebeneinander der Pikten und Wikingern, während Brian Smith überzeugt davon ist, dass die Änderung der Ortsnamen ein Anzeichen dafür sei, dass die Wikinger die Pikten unterdrückten. Für seine Theorie würde auch sprechen, dass 839 der letzte Piktenkönig namens Uuen von Wikingern getötet wurde. Unter Kenneth MacAlpin kam es 843 zur Vereinigung der Pikten und Skoten und auch das Festland erhielt einen anderen Namen: Scotland. Der vorherige piktische Name, welcher uns auch wieder in Schottland begegnet, war Alba.

Sigurg der Dicke soll der erste Jarl gewesen sein, der im 11. Jahrhundert ins schottische Königshaus einheiratete. Jon Haraldsson, der letzte Wikinger, wurde jedoch schon 1231 ermordet. Die Orkney Inseln fielen danach beinahe 1 Jahrhundert lang in die Hände der Angus Earls von Schottland und anschließend an die Sinclairs. Bis weit ins späte 12. Jahrhundert hinein beherrschten die Wikinger das Land. Auch wenn sie in Irland und England einige Niederlagen verbuchen mussten, schienen sie in Schottland immer noch die Oberhand zu haben. Ende des 12. Jahrhunderts wurde erstemal Tribut an den schottischen König William I bezahlt. Es war “the Battle of the Largs” in Ayrshire, der 1263 das Ende der Wikinger einläutete. Zwar war die Schlacht unentschieden, allerdings hatten die Wikinger für einen erneuten Angriff nicht mehr genügend Resourcen. Zuem starb ihr König Haarkon IV kurz darauf. Sein Sohn Magnus überlieβ den Schotten dann mit dem sogenannten Treaty of Perth die Isle of Man, die Hebrideninseln und auch die Ländereien auf dem Festland, die von Wikingern bis dato beherrscht wurden.

Die Orkney und die Shetland Inseln blieben jedoch bis 1468 unter nordischer Herrschaft. Dann gingen sie in schottische Hände über, da der dänische König Christian I die Mitgift für seine Tochter Margarete nicht aufbringen konnte, die mit dem schottischen König James III verlobt war. Obwohl die Inseln nun schon jahrhundertelang unter schottischer Herrschaft sind, ist der Einfluss der Wikinger dort immer noch deutlich zu spüren. So findet man zb noch immer nordische Bauten und nordische Ortsnamen, doch natürlich auch im Brauchtum lässt es sich deutlich erkennen.

Jarlshof 20080821 - aisled roundhouse and broch

Jarlshof – eine historische Wikingersiedlung im Süden Shetlands

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